Autoren schreiben nicht nur - sie leben auch!

Bei Andreas Busch sah das bisher so aus:

An einem 20. August wurde ich in einem Land geboren, das überhaupt nicht mehr existiert. Na? Belgisch-Kongo?Deutsch-Südwestafrika? Spanische Niederlande? Nein, falsch geraten. Das Land nannte sich Deutsche Demokratische Republik und hatte einen Abkürzungsfimmel - also DDR. Wenn schon DDR, dann Hauptstadt - also Ostberlin. Schon im Alter von vier Jahren hatte ich genug von Abkürzungen und nahm eine Abkürzung direkt über den Weißwurstäquator nach München. Geholfen hat mir dabei die renommierte Fluggesellschaft British Airways, wenn ich mich recht erinnere. Woran ich mich genau erinnere, ist die Tatsache, dass ich in München direkt gegenüber dem BMW-Werk wohnte; und wenn ich es geschafft hatte auf die Fensterbank zu klettern, konnte ich den Mitarbeiterparkplatz von BMW mit geschätzten 5000 Isettas überblicken. Meine Grundschulzeit verbrachte ich in Heidelberg, verlor aber weder Herz noch Mut, sondern siedelte 1966 nach Münster in Westfalen über. Und jetzt wird es spannend! Das Städtische Ratsgymnasium in der lebenswertesten Stadt der Welt (das ist Münster tatsächlich ganz offiziell) war damals nämlich die Keimzelle der Revolution, die Urheimat von Protest und Rebellentum. Wogegen wir protestierten? Egal, Hauptsache, es gab etwas, wogegen man sein konnte. Morgens standen wir Ratsgymnasiasten protestierend auf, protestierten uns durch den Tag und legten uns abends unter Protest schlafen. Nach dem Abitur - offiziell "Reifeprüfung", aber das trifft die Sache nicht unbedingt - wurde ich zum Wehrdienst eingezogen. Protest zwecklos. Ich nistete mich in einem Raketenjagdpanzer ein, durchforstete die Lüneburger Heide auf der Jagd nach anderen Panzern und zählte die Tage. Nach 15 Monaten hatte ich meinen Wehrdienst erfolgreich absolviert und verweigerte ihn danach genauso erfolgreich. Die Verhandlung war kurz und schmerzlos - ich, der Wehrdienstverweigerer, war der einzige Mensch im Gerichtssaal, der beim Militär gewesen war. Das ist ein Gefühl wie in einem Krankenhaus, in dem alle gesund sind - nur die Ärzte nicht. Nach dem Studium - Russisch und Englisch - unterrichtete ich drei Jahre lang an einem kirchlichen Gymnasium. Als Honorarkraft - früher nannte man so jemanden "Hilfslehrer". Irgendwann wurde die Sehnsucht nach einer festen Anstellung übermächtig und ich sattelte um. Und das ist wörtlich zu nehmen - nämlich auf einen Sattelzug. Viele Jahre lang transportierte ich wichtige und überlebenswichtige Güter. Zum Beispiel Toilettenpapier, aber auch Erbsen, Wodka und Staubsauger. Zwischenzeitlich absolvierte ich sogar mal wieder etwas, diesmal eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Eine Zeitlang versuchte ich, Autos von FIAT, Lancia und Alfa Romeo zu verkaufen. Dann fuhr ich plötzlich wieder lebenswichtige Güter durch die Gegend - dieses Mal Sand und Kies, aber auch Traktorreifen, Tierkäfige und Spielplatzrutschen. Was man halt so braucht. Und dann landete ich auch noch für ein Jahr in der Pharmaindustrie, stellte Medikamente her und kümmerte mich darüber hinaus um die Öffentlichkeitsarbeit. Das ist aber alles nicht so wichtig.

Viel wichtiger ist: Plötzlich war ich Schriftsteller! Das muss so gegen Ende der 80-er Jahre gewesen sein. Ich fuhr - und fahre heute noch - Motorrad, damals war es eine 750-er BMW (hat aber nichts mit München und dem Isettaparkplatz zu tun; BMW-Motorräder wurden in Berlin gebaut!). Ich vermute mal, dass ich mich über einen schlecht geschriebenen Artikel in einer Zeitschrift geärgert hatte. Das geht auch anders! Also begann ich, selbst Reise- und Testberichte für Motorradzeitschriften zu schreiben. Dann Geschichten übers Motorradfahren. Dann Geschichten, die mit Motorradfahren nichts zu tun hatten, zum Beispiel Liebesgeschichten in der "Tina". Dann Geschichten für "Penthouse" und "Playboy", im weitesten Sinn ebenfalls Liebesgeschichten. Dann folgten die ersten Romane, zunächst noch ganz bescheiden in Heftform. Zwischendurch "Musterreden für Führungskräfte", Übersetzungen, Kurzgeschichten, Drehbücher und und und....

Im übrigen bin ich mal wieder - seit Oktober 2010 - an einer Schule gelandet, diesmal an einer mit dem schönen Vornamen "Haupt". Aus "Haupt" ist mittlerweile "Real" geworden.

Und jetzt auch noch beides gleichzeitig (Haupt-Real oder Real-Haupt?). Jetzt aber Nägel mit Köpfen: Gesamtschule.

Was noch dazu kommt, wird nachgeliefert. Versprochen!

Dezember 2017

Andreas Busch